Informationen zu BIM (1) - Was ist BIM und welche Bedeutung hat es insbesondere für die SHK-Branche?

Der Begriff BIM ist in der Branche aktuell in aller Munde. In einer kleinen Serie von Beiträgen wird ITEK in den kommenden Wochen einige fachliche Infos und Einschätzungen geben.

 

Begriff

 

BIM (Building Information Modeling) ist ein Modell zum digitalen Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden. Durch BIM ändern sich entsprechend die Prozesse der Beteiligten (Architekt, Planer, Herstellern, Großhändlern, Handwerker, Facility Managern usw.). Motto: Erst entsteht das virtuelle Gebäude, dann das reale. 

 

Grundprinzipen von BIM sind:

  • Gewerkeübergreifende Kooperation und Transparenz
  • Digitalisierung von Gebäuden und Prozessen
  • Objektorientierte, ganzheitliche Sicht auf alle Elemente eines Gebäudes
  • Netzwerkgedanke, zentral auf einer Plattform und keine dezentralen Konflikte

So entsteht sowohl ein grafisches 3D-Gesamtmodell, als auch ein Verzeichnis der zum Objekt gehörenden Stammdaten, insb. ihrer technischen Merkmale. Dabei wird der Detaillierungsgrad schrittweise erhöht, so dass den Bedürfnissen der aktuellen Planungsphase Rechnung getragen wird.

 

BIM ist kein Standard, sondern wird aktuell als Konzept in verschiedenen Standards abgebildet bzw. berücksichtigt (z. B. ISO 16739:2013, IFC, bSDD, IDM, BCF). In Deutschland arbeitet vor allem Building Smart (www.buildingsmart.de) an der Entwicklung und Verbreitung der Standards. Auch etablierte Standardisierungsorganisation (z. B. ETIM) suchen die Integration zu BIM. Da sich diese Entwicklungen noch in einer frühen Phase befinden, besteht momentan noch keine exakte und umfängliche Anwendbarkeit. Verschiedene dieser Initiativen und Interessengruppen werden allerdings in nächster Zeit dafür sorgen, dass die Anwendungsmöglichkeiten oder -notwendigkeiten zunehmen. Gerade international tätige Unternehmen verspüren bereits Druck z. B. aus den skandinavischen Ländern oder England. Der Druck entsteht hier insbesondere durch rechtliche Anforderungen, also durch die Gesetzgebung. 

 

Veränderung des Bauprozesses

 

Prinzipiell werden mit dem Ansatz Aufwände von späten Phasen in frühere verlagert. Es steigt also der Planungsaufwand, um dann die Durchführung zu beschleunigen. Insbesondere Verzögerungen durch aufwendige Abstimmungen sollten in der Bauphase vermieden, und damit auch Kosten gesenkt werden.

 

Voraussetzungen

 

Um eine Planung nach dem BIM-Ansatz durchführen zu können, sind nicht nur neue Softwaresysteme notwendig, sondern insbesondere auch differenzierte technische Klassifikationen für alle zu planenden Objekte. Im Rahmen einer produktneutralen Planung ist es zunächst notwendig, dass für alle verplanten Objekte Klassifikationen vorliegen, die einheitlich akzeptiert sind. 

 

Im Angebots- und Verarbeitungsprozess müssen über diese Klassifikation dann auch die konkreten Produkte zugeordnet werden. Das erfordert entsprechend bei den Anbietern von Bauprodukten und Dienstleistungen entsprechende Stammdaten, um solche Angebote überhaupt ausfüllen zu können.

 

Herausforderungen in der SHK-Branche

 

Hersteller müssen zukünftig ihre Produkte BIM-fähig machen, also zu jedem Produkt neben dem grafischen 3D-Modell auch eine Vielzahl von technischen Merkmalen liefern. Aktuell erfolgt dies in der Praxis vor allem durch den proprietären REVIT-Standard. Weiterhin ist zu beachten, dass tendenziell technische Entscheidungen früher im Bauprozess getroffen werden. Insofern kann es sinnvoll sein, die „vertriebliche Nähe“ zur planerischen Seite weiter zu optimieren. Das gilt im Übrigen alles auch analog auch für Großhändler mit Handelsmarken. 

 

Großhändler, und auch Handwerker, werden zukünftig differenziertere Ausschreibungen erhalten und müssen in der Lage sein, diese über die eigenen Klassifizierungssysteme effizient zu bearbeiten.

 

Den Branchenverbänden stellt sich die wichtige Aufgabe, aus dem Wildwuchs an Standardisierungen (etablierte und neue Standards, nationale und internationale Standards) handhabbare Lösungen für die Unternehmen zu schaffen.

 

Insgesamt wird BIM die Digitalisierung in der Branche weiter vorantreiben. Investitionen in IT-Systeme sind bei allen Marktpartnern unabdingbar.

 

Im nächsten Beitrag klären wir, welcher Zusammenhang zwischen BIM und den Produktstammdaten besteht...