Informationen zu BIM (2) - Welcher Zusammenhang besteht zwischen BIM und Produktstammdaten?

Produktstammdaten sind die Basis für effiziente Prozesse und wesentliche Grundlage jeder Digitalisierungsstrategie. Dies gilt vor allem auch für die zukünftigen BIM-Prozesse. Sofern produktneutral, aber sehr detailliert, ausgeschrieben wird, ändern sich nicht nur die Aufgaben. Es entstehen auch neue Anforderungen an die Produktstammdaten.

 

Fokussiert auf das die zukünftige Relevanz der Stammdaten entstehen die folgenden Herausforderungen. Sonstige prozessbedingte Vorteile von BIM (Vermeidung technischer Konflikte zwischen verschiedenen Gewerken, Transparenz im Projektfortschritt, Predictive Maintenance etc.) werden an dieser Stelle nicht angesprochen.

 

Phase     Relevanz der Stammdaten     Herausforderungen    
Planung    

Neben der grafischen räumlichen Planung des Objektes werden bestimmte Eigenschaften schon in der Planungsphase im Detail spezifiziert. Die Ausschreibungsinformationen umfassen dann nicht mehr nur die allgemeinen Ausschreibungstexte, sondern auch eine Reihe technische erforderlicher Merkmale bzw. Ausprägungen, z. B. Volumenströme, Anschlussgrößen, Funktionen, Maße, Materialien. 

Der Planer benötigt dazu für jedes Produkt definierbare Merkmale, über die er die technischen Anforderungen in seiner Planungssoftware festlegen kann.

Ausschreibung und Angebot

Auf der Basis der technischen Planung wird dann eine Ausschreibung erstellt, auf deren Basis dann Angebote abzugeben sind. Jeder anbietende Marktpartner muss dann auf dieser Basis Produkte und Dienstleistungen anbieten. Die Auftragsvergabe kann nur erfolgen, wenn die Merkmale der ausgeschriebenen Produkte im Angebot berücksichtigt sind. 

Für die Angebotsabgabe muss das anbietende Unternehmen auf der Basis der Merkmale die Produkte anbieten, die den geforderten Merkmalsausprägungen entsprechen.

Erstellung des Gebäudes

Beim Einbau der Produkte wird ggf. die Einhaltung der technischen Merkmale überprüft. 

Zu allen verbauten Produkten müssen die technischen Merkmale in der Datenbank des Gebäudes zur Verfügung stehen. 

Betrieb des Gebäudes
Alle eingebauten Produkte werden mit ihren Merkmalen in einer Datenbank des Gebäudes festgehalten. Beim Austausch oder der Wartung technischer Elemente des Gebäudes kann auf die so dokumentierten Merkmale zurückgegriffen und Daten aktualisiert werden. Wartung betreibende Betriebe profitieren von der klaren Dokumentation der verbauten technischen Elemente, indem sie Zugriff auf die Datenbank des Gebäudes erhalten. Alle Informationen zum Gebäude (technische Merkmale, Wartungsanleitungen etc.) müssen über seine Lebenszeit vorliegen.

Bezogen auf die Stammdaten entstehen so klare Anforderungen:

 

  • Der Architekt / Planer benötigt eindeutige technische Merkmale in seiner Planungssoftware
  • Der Anbieter von Dienstleistungen benötigt für sein gesamtes Produktsortiment klassifizierte Daten
  • Beide Klassifikationsstrukturen müssen isomorph, also strukturgleich sein, damit eine effiziente Zuordnung überhaupt möglich ist

 

Daraus entstehen die Anforderungen an eine Standardisierung der Produktmerkmale, damit die Marktpartner im BIM Prozess überhaupt sinnvoll zusammenarbeiten können. In Branchen, in denen es bisher keine Standardisierung gibt, besteht dir Aufgabe darin, entsprechende Standards zu entwickeln, damit Hersteller ihre Produktstammdaten entsprechend dieser Merkmalsausprägungen erweitern können. 

 

Sofern in der Branche bereits akzeptierte Standardisierungen im Bereich der Produktstammdaten (einschließlich grafischer Modelle) vorliegen, besteht die Aufgabe nicht darin, mit BIM einen weiteren Standard zur Produktklassifikation zu etablieren, sondern bestehende Standards zu integrieren.

 

Innerhalb der SHK-Branche sind bereits eine Reihe von Standards entwickelt und im Markt etabliert worden. Insbesondere zu nennen sind:

 

  • Stammdaten (DQR von ARGE, DGH und ZVSHK)
  • VDI 3805 (BDH)
  • ETIM
  • 3D Badplanung (ARGE)

 

Darüber hinaus gibt es angrenzende Standardisierungen, die ebenfalls Produktmerkmale vereinheitlichen (z. B. ProfiCl@ss, ausschreiben.de). Das Problem liegt auf der Hand: Es gibt nicht zu wenig Standards, sondern zu viele. Die Aufgabe der standardisierenden Organisationen in den Branchen besteht insofern vor allem darin, eine Integration bestehender Standards herbeizuführen. 

Dadurch werden nicht nur die bisherigen Investitionen der Marktpartner, etwa für die Erstellung von VDI 3805 Daten oder 3D Badplanungsdaten gesichert. Bei zügigem Handeln der Standardisierungsorganisationen werden auch deutliche schneller die vielfältigen Merkmale technischer Baugewerke, wie SHK oder Elektro, BIM-fähig gemacht.